aufregend war’s gewesen

Aufregend war’s gewesen. Aber auf eine schöne Art. Die Art, die einen schon über die nächste Reise nachdenken lässt. Kuba, Jamaika und Venezuela oder doch Indien und Indonesien? Naja – die Reisekasse ist erst einmal geschröpft. Der nächste Trip muss also noch ein bisschen warten.
Die Reise in ein paar Zeilen zu pressen ist schwer. Ich kann mich gut an den Tag unserer Ankunft in Rio erinnern. Den Kulturschock und die Angst die ich nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug erlebt habe, sind noch so präsent. Ich weiß sogar noch die Abfahrtzeiten des Busses vom Flughafen zur Copacabana. Den gesamten Weg habe ich befürchtet abgestochen zu werden.
Ich bin ruhiger geworden und glaube ein bisschen mehr an das Gute im Menschen. Auf unserer gesamten Reise haben wir nicht eine schlechte Erfahrung gemacht. Keine rassistischen Anfeindungen haben wir erfahren, wir wurden nicht beklaut und uns sind die meisten Menschen ehrlich und mit offenen Armen begegnet. Wie häufig wir unser Gepäck und damit alles was wir hatten, Fremden anvertrauten? Unzählige Male hätte es die Möglichkeit gegeben uns, ohne großes Risiko zu erleichtern. Nie kam jemand auf die Idee, unseren offensichtlichen Reichtum (auch wenn man sich das nicht gerne eingesteht, aber im Vergleich zu den meisten waren wir reich) auszunutzen.
Uns sind nicht nur freundlichere Menschen begegnet, sondern auch fröhlichere. Die Leichtigkeit mit der viele durchs Leben gehen, trotz viel schwierigerem Lebensumständen, ist bewundernswert und ansteckend. Ich war seltener betrübt oder schlecht gelaunt. Das erste Mal aufgefallen, ist mir das in Leticia, im kolumbianischen Regenwald. Dort haben wir auf ein Flugzeug gewartet welches uns in die Hauptstadt Bogotá bringen sollte. Nach längerer Verspätung konnten wir endlich einsteigen, um dann verkündet zu bekommen, das Flugzeug sei kaputt und uns wieder aussteigen zu lassen. Da habe ich mehr zu mir selbst und in dem Glauben, dass mich niemand verstehe, zu den politisch wenig korrekten Worten „die sind doch alle behindert hier“ hinreißen lassen. Woraufhin sich die Frau vor mir, auf Deutsch für ihre Stadt, ihr Land und den Kontinent im ganzen entschuldigte. Sie wisse von ihren Kindern aus Hamburg und von ihrem deutschen Ehemann, dass es bei mir zu Hause alles ganz anders laufe. Wie peinlich! Aber es hat mich darüber nachdenken lassen, wann ich denn das letzte Mal geflucht hatte. Mir fiel keine Situation während der Reise ein und wir waren zu dem Zeitpunkt schon fünf Monate unterwegs. Und es gäbe viel zu Fluchen. Doch alle nehmen jeden Tag aufs neue wie er kommt. Mit einer Gelassenheit, die mir sehr imponiert.
Das bloggen werde ich nicht vermissen, alles andere wahrscheinlich sehr. Die letzten 34 Wochen waren aufregend und anstrengend, aber auch wunderschön.
Wir sind wieder zu Hause.

das war’s jetzt !

Die Stadt raubt einem den letzten Schlaf. In sofern stimmt es, was man sagt: New York – die Stadt, die niemals schläft. Auf den ganzen Trubel bilden sich die New Yorker ganz schön was ein. Und darauf, wie schwer es ist, sich in der Stadt zu Recht zu finden. Die Schwätzer sollten alle mal La Paz oder São Paulo besuchen, bevor sie so große Reden schwingen. New York ist für uns die erste Erholung vom südamerikanischen Alltagsstress. Es gibt geregelte Verkehrsanbindungen und man muss im Straßenverkehr nicht mehr permanent um sein Leben fürchten. Uns hat’s hier gefallen. Eine Woche reicht nur für eine oberflächliche Betrachtung des Big Apple. So viel steht fest. Wir haben viel Tourikram in Manhattan gemacht und ein bisschen Brooklyn erkundet, da unser Hostel hier war.

Morgen geht’s nach Haus. Ich freu mich!

zum großen Apfel

Lateinamerika liegt hinter uns. Wir sind in Fort Lauderdale gelandet und warten auf unseren Anschluss nach New York. Schlimmes haben wir von den Grenzkontrollen und dem amerikanischen Zoll im Vorfeld gehört und waren dementsprechend aufgeregt. Zu Unrecht, keine 5 Minuten hat Befragung und Zollkontrolle gedauert. Total unkompliziert und freundlich noch dazu. Ein weiteres Vorurteil abgebaut.

Affenbande

Ein Nationalpark und ein bisschen Strand. Die letzten zwei Stationen unserer Reise sind in diesem Halbsatz eigentlich erschöpfend zusammengefasst. Wir sind in Costa Rica angekommen, haben Panama hinter uns gelassen und malen uns aus, wie kalt der Winter zuhause wohl werden wird. Problemlos konnten wir ausreisen, was nicht ganz sicher war. Wir hatten um 100$ Einreisegebühr zu sparen, den Grenzer belogen, ein Flugticket gefälscht und nur ein dreitägiges Transitvisum beantragt. An der Grenze hat glücklicherweise niemand so genau hingeschaut und wir konnten ungehindert nach Costa Rica einreisen.
Länderfazit Panama: Das Land ist das Drehkreuz Nummer eins für Importwaren in Zentral- und Südamerika. Das und die Möglichkeit als Ausländer sein Vermögen quasi unversteuert in Panama zu parken, haben dem Land einen relativen Wohlstand beschert. Die USA als Bauherren des Panama-Kanals haben das Land nachhaltig geprägt. Viele sprechen englisch und die Währung ist der US-Dollar. Es ist sicher und leicht über Land zu reisen. Nach Kolumbien fehlte uns jedoch, vereinzelt der Nervenkitzel.

ein Archipel

Nach der kurzen Abkühlung im Hochland von Panama, zieht es uns wieder ans Meer. Schließlich wollen wir die letzten Tage vor der Heimreise noch mal richtig entspannen und braun werden. Nach langem Hin- und Herüberlegen, welche Küste es denn nun sein soll, entschieden wir uns für die Karibik. Und dort gibt es eigentlich nur ein Ziel: Bocas del Toro. Die Inselgruppe darf laut Reiseführer und anderer Reisender bei keinem Panamabesuch fehlen. Solche Einschätzungen schrecken uns normalerweise eher ab, doch irgendwas muss ja dran sein. Immerhin nehmen wir den öffentlichen Bus statt dem Touristenshuttle und zahlen nicht mal die Hälfte.
Die Hauptstadt der Inseln ist auch genau das, was wir befürchtet haben. Es gibt unzählige Bars, Hostels und Menschen auf den Straßen, die dir entweder die nächste Party oder einen kostspieligen Ausflug schmackhaft machen wollen. Das nervt! Doch kommt man erst mal zu den Stränden, ist das ganze Getümmel der Stadt vergessen. Jeden Tag kann man zu einem anderen Traumstrand fahren, sei es mit dem Fahrrad und dem Bus oder mit dem Wassertaxi zu einer der anderen Inseln.

ein steiniger Weg

Der Fuß des Vulkans sieht unscheinbar aus. Ein mäßig steiler, steiniger Weg schlängelt sich den Berg hoch. Es ist sieben Uhr morgens und gutes Wetter. Wir haben elf Stunden bis zur Dämmerung. Beste Voraussetzungen also die 27 km lange Strecke, bis zum Gipfel des Vulkans und zurück, an einem Tag zu bewältigen.
Euphorisch gehen wir die ersten Meter, wir sind alleine und es ist mehr als fraglich, ob wir auf der Strecke jemanden treffen werden. Bis Mittag wollen wir den Gipfel erklommen haben.
Schnell wird der Weg anspruchsvoller und es vergeht nur wenig Zeit, bis wir uns entschließen eine Frühstückspause zu machen. Zwischenfazit: Warum tun wir uns das immer wieder an?
Eine Plackerei nach der nächsten, immer am Rande der völligen Erschöpfung. Sei es mit dem Kajak bei Gezeitenströmung im Pazifik oder mit dem Roller zwei Stunden durch den Monsunregen zu fahren. Jetzt also der höchste, aber auch einzige Vulkan Panamas, 3500 Meter hoch.
Wir gehen weiter – die Strecke zieht sich die nächsten Kilometer als Geröllpiste weiter und ich kann mir nicht vorstellen wie diese Strecke ein Auto zurücklegen sollte. Wir sehen jedoch immer wieder Reifenspuren. Nach drei Stunden haben wir das erste Etappenziel erklommen. Hälfte geschafft, was dich nicht umbringt … wen versuche ich eigentlich zu täuschen? Wir sind hoffnungslos hinterm Zeitplan und kommen immer langsamer voran.
Wir gehen weiter – viele Höhenmeter weiter hören wir Motorengeräusche. Erst ganz leise, aber dann immer lauter werdend. Wir stellen uns an den Wegesrand und schauen interessiert, welches Gefährt sich uns nähert. Um die Kurve biegt ein kleiner Pickup Jeep ohne Dach und Windschutzscheibe. Ausmaße und Erscheinung sind allenfalls unscheinbar. Der Fahrer hat eine Mütze, Handschuhe und eine Schneebrille an. Erheitert über die skurrile Szenerie grüßen wir, woraufhin der Fahrer anhält und uns fragt, ob wir mitfahren wollen. Dankbar steigen wir in den Wagen und erfahren, dass unser Fahrer die Fernsehantennen auf dem Gipfel betreibt. Alle vier Tage ist Schichtwechsel und ein neuer Mitarbeiter fährt die holprige Strecke hinauf. Wir sind fassungslos wie zuverlässig das Mobil die größten Krater und Hindernisse überwindet. Es scheint nicht umkippen zu können. Oft muss ich mich mit aller Kraft festhalten, um nicht aus der Fahrerkabine zu fallen. Kurze Zeit später haben wir die letzten zwei Kilometer bis zur Sendestation zurückgelegt und sind froh über diese glückliche Fügung.
Vom Gipfel können wir sowohl den Pazifik, als auch den Atlantik sehen. Für Erholung und Ausblick bleibt wenig Zeit, da wir vor Anbruch der Dunkelheit zurück am Fuße des Berges sein wollen.
Wir gehen weiter – der Abstieg ist nicht minder anstrengend und Schritt für Schritt verlassen uns die Kräfte. Stolpernd erreichen wir viele Stunden später und mit zitternden Beinen das Tal.

am Strand nach Norden

Von Strand zu Strand und Insel zu Insel – wir erkunden die Pazifikküste Panamas. Die Regenzeit hat uns mittlerweile eingeholt und bereitet uns so langsam auf den Winter in der Heimat vor. In vier Wochen wird unsere Rundreise in New York enden. Zeit für Sentimentalitäten bleibt kaum, es gibt viel was wir noch sehen wollen und noch mehr, was wir wohl nicht mehr schaffen werden. Acht Monate reichen nicht um dem Kontinent gerecht zu werden. Sie reichen aber sich wieder auf zu Hause zu freuen.